{"id":1884,"date":"2019-09-25T17:20:57","date_gmt":"2019-09-25T16:20:57","guid":{"rendered":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/?page_id=1884"},"modified":"2025-03-19T15:17:04","modified_gmt":"2025-03-19T14:17:04","slug":"anna-lisas-geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/anna-lisas-geschichte\/","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberblick<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Frachtensegler war f\u00fcr die flachen Gew\u00e4sser der Unterelbe und seiner Nebenfl\u00fcsse f\u00fcr einen Wischhafener Brennstoff- und Futtermittelh\u00e4ndler zum Eigentransport gebaut.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ab 1952 Binnenschiff<\/li>\n\n\n\n<li>1956 Baufahrzeug<\/li>\n\n\n\n<li>ab 1974 restauriert<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Seit der Sanierung 1978 f\u00e4hrt der Ewer wieder unter Segeln und war 1979-1984 im Museumshafen Flensburg beheimatet. 1985 kaufte der Verein &#8222;Bildungsschiff Niederelbe e.V.&#8220; das Schiff und baute es f\u00fcr die Zwecke seiner Bildungsarbeit um.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"201\" height=\"300\" src=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Anna-Lisa1980er-201x300.jpeg\" alt=\"Anna-Lisa1980er\" class=\"wp-image-1098\" srcset=\"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Anna-Lisa1980er-201x300.jpeg 201w, https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Anna-Lisa1980er.jpeg 428w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading has-text-align-left\">Fr\u00fchere Namen<\/h6>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>1906-1956 MATHILDE Hamburg<\/li>\n\n\n\n<li>1956-1978 ANNA-LIESA Wilster<\/li>\n\n\n\n<li>1978-1984 ANNA-LISA Flensburg<\/li>\n\n\n\n<li>1984-2006 ANNA-LISA Stade<\/li>\n\n\n\n<li>seit 2006 ANNA-LISA von Wischhafen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zum 100. Geburtstag der ANNA-LISA <\/h2>\n\n\n\n<p><em>von Volker von Bargen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Baunummer 121 hatte der Werftchef gerade einen neuen Ewer-Typ entwickelt, der ein Vorbild f\u00fcr eine ganze Reihe von \u00e4hnlichen Schiffen werden sollte. Es handelte sich um einen gro\u00dfen Besan-Ewer, der in der Steinfahrt nach Hamburg eingesetzt war, und daf\u00fcr musste er die Abmessungen der dortigen Graskellerschleusen haben, damit er auf die Alster gelangen konnte. Es waren dies seinerzeit die gr\u00f6\u00dften von der Werft gebauten Ewer und im Laufe der Zeit wurden neun Schiffe dieses Typs gebaut. Die L\u00e4nge schwankte zwischen 18 und 20 Metern, die Breite betrug 4,90m und die Raumtiefe etwa 1,60 m. Je nach L\u00e4nge betrug die Tonnage zwischen 37 und 47 BRT. Dieser erste Ewer hie\u00df EMMA-LOUISE und wurde f\u00fcr den Schiffer Peter Wilhelm Kroos in Wischhafen gebaut.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/instandhaltung\/kluver\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"200\" src=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Kl\u00fcver-300x200.jpg\" alt=\"Kl\u00fcver\" class=\"wp-image-110\" srcset=\"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Kl\u00fcver-300x200.jpg 300w, https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Kl\u00fcver.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Am 12.02.1906 meldete der stolze Eigner Claus Heinrich Richters aus Wischhafen seinen neuen Ewer MATHILDE beim Hamburger Seeschiffsregister an. Der Ewer hatte die Baunummer 135 und stammte aus dieser neu entwickelten Serie mit Alsterma\u00df. Die Abmessungen waren: 19,55m lang, 4,91m breit und 1,51m tief. Er hatte 9.300 Mark daf\u00fcr bezahlt. Wie er das Geld als junger unverheirateter Mann bekommen hat, ist aus den Unterlagen ersichtlich, denn der Bielbrief ist noch mit August Richters, der sein Vater war, abgeschlossen worden. Auf der n\u00e4chsten Rechnung der Werft J. Junge steht als Adressat August resp. Heinrich Richters. Eine Familie hat unser junger Schiffer erst vier Jahre sp\u00e4ter gegr\u00fcndet. Die Pl\u00e4ne k\u00f6nnen wir Dank unserer guten Beziehungen zum Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven als Ablichtung in der Ausstellung zeigen. Auch den Bielbrief, der sich in unserm Archiv befand und welcher die Abmachung zwischen Auftraggeber und Werft zum Bau dieses Ewers zeigt, zeigen wir im Original. Da werden die Ma\u00dfe und die Ausr\u00fcstung festgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Joachim Kaiser schreibt \u00fcber seine Recherchen zur MATHILDE:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-tertiary-background-color has-background has-small-font-size\">\u201eSo fuhr der gro\u00dfe Besan-Ewer Heu, Futtermittel und Getreide, sowie Kohlen und Brennstoff auf Rechnung des Eigners und Schiffers, aber auch f\u00fcr fremde Rechnung wurden Lasten im ganzen norddeutschen Raum gesegelt. Mit dieser Kombination aus H\u00e4ndler und Schiffer &#8211; in den fr\u00fcheren Jahren eine weit verbreitete Berufsform &#8211; ist der Eigner gut zurechtgekommen, jedenfalls hat er den Ewer ohne gro\u00dfe Umbauten 46 Jahre lang gefahren und sich dann als wohlhabender Mann zur Ruhe gesetzt.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auf den ausgestellten Fotos sehen wir die Heufahrt nach Hamburg &#8211; Pferde in der Stadt waren auf das Heu vom Lande angewiesen &#8211; und von der Kartoffelfahrt von Wischhafen aus.<br \/>1928 gab es den ersten Motor mit 40 PS und kurz vor dem 2. Weltkrieg wurde dieser durch einen 75 PS starken Jastram-Motor ersetzt. \u00dcber die ersten 40 Jahre des Schiffes gibt es eine ganz seltene Dokumentation, es existiert ein Gedicht \u201e40 Jahre MS Mathilde&#8220;, Dies Gedicht zeigt den Stellenwert dieses Fahrzeuges im Leben der Familie und zeigt die Stationen der Entwicklung auf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Mathildeneu.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"220\" height=\"195\" src=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Mathildeneu.jpg\" alt=\"MATHILDE mit Heu beladen\" class=\"wp-image-275\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">MATHILDE hoch beladen mit Heu.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Zwei Weltkriege wurden \u00fcberstanden. Im letzten war der kleine Ewer g\u00e4nzlich in Norwegen als Versorger eingesetzt. Auf Fotos im Kehdinger K\u00fcstenschiffahrtsmuseum sind die f\u00fcnf nach Norwegen beorderten Schiffe an den Pf\u00e4hlen bei der Rabeler-Werft, der sp\u00e4teren Eimers-Werft zu sehen .<br \/>Zum Zeitpunkt, als die Verfasserin des Gedichtes dem Schiff noch weitere gl\u00fcckhafte 40 Jahre w\u00fcnschte, das war 1946, n\u00e4herte sich eigentlich das Ende f\u00fcr derartige kleine Schiffe. In den letzten Jahren nach dem Krieg hat noch der Schwiegersohn Leo Zelinski die Mathilde gefahren. Wir zeigen ihn auf Fotos im Hafen von Wischhafen mit einer Ladung Torfballen auf die Flut wartend. Wie \u00fcblich, war das Schiff mit der leichten Ladung so hoch beladen, dass man aus dem Ruderhaus nichts mehr sehen konnte und mit einer speziellen Stange von oben auf den Ballen steuern musste.<br \/>1952 wurde das Schiff ins Binnenschiffsregister umgemeldet, aber so nicht mehr betrieben, sondern an eine Wasserbaufirma in W\u00fcster verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier erhielt sie auch den Namen ANNA-LIESA, allerdings mit \u201eIE&#8220;. Der Einsatz in der Baufirma w\u00e4re nun eigentlich ganz bestimmt das Ende f\u00fcr MATHILDE gewesen, denn sie wurde letztlich zur Baggerschute degradiert und nach dem Ende der Baufirma verfiel sie zusehends.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Chronist der Niederelbe-Schifffahrt Joachim Kaiser beschreibt den Zustand im Jahre 1974 folgenderma\u00dfen: \u201eDas Regenwasser sammelte sich in dem offenstehenden Schiff, rundherum dr\u00fcckte der Rost allm\u00e4hlich die Farbe hoch; ein fehlendes St\u00fcck Schanz und Bordwand &#8211; entfernt um des einfacheren Baggerns willen &#8211; erweckte den Eindruck, als sei mit dem Abwracken schon begonnen worden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da nahte, wie der wei\u00dfe Ritter, zur Rettung des Ewers der Staatsanwalt und Schiffsliebhaber J\u00fcrgen Klette, der den traurigen Rest f\u00fcr 300,- DM als Schrott erwarb. Als der sich nun n\u00e4her mit dem Schiff befasste, stellte er fest, dass unter den vielen Farbschichten und relativ d\u00fcnnem Rost das grundsolide Baumaterial der Junge-Werft zutage kam. Selbst der alte Jastram-Diesel konnte wieder zum Leben erweckt werden. Das Schiff wurde restauriert und f\u00fcr die private Nutzung umgebaut, dabei mussten nat\u00fcrlich Kompromisse in puncto Originaltreue gemacht werden. Im Namen wurde das \u201ee&#8220; gestrichen und nachdem der Besitzer nach Flensburg verzogen war, wurde aus der ANNA-LISA von Wilster, die gleiche von Flensburg. Dort bildete sie zu der Zeit den Grundstock f\u00fcr den sich entwickelnden Flensburger Museumshafen. In dieser Zeit wurde auch die Reise nach Norwegen, jetzt unter ganz anderen Bedingungen, wiederholt.<\/p>\n\n\n\n<p>1984 erwarb der Verein Bildungsschiff Niederelbe e.V. das Schiff von dem Privatmann, dem das f\u00fcr den privaten Bedarf doch sehr gro\u00dfe Schiff \u00fcber den Kopf zu wachsen drohte. Erneut wurde umgebaut und der f\u00fcr den Privatbedarf einer Familie zugeschnittene Innenausbau wurde an die Erfordernisse als schwimmende Bildungsst\u00e4tte angepasst. Es entstanden 16 G\u00e4steschlafpl\u00e4tze in vier Kabinen, eine Pantry mit sechs Kochstellen, Backofen und K\u00fchlschrank, eine gro\u00dfe Messe als Ess- und Versammlungsraum und zwei Toilettenkabinen. Auch die Maschine wurde gegen einen Deutz-Sechszylinder-Diesel mit etwa 73 kW. Ausgetauscht. Der Heimathafen wurde nach Stade verlegt. Aus dieser Zeit als Bildungsschiff finden sich einige Fotos in der Ausstellung und von einer Gruppenreise werden die Erlebnisse auf dem Bildschirm gezeigt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Kompass.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"200\" src=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Kompass-300x200.jpg\" alt=\"Kompass\" class=\"wp-image-109\" srcset=\"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Kompass-300x200.jpg 300w, https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Kompass.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n<p>In dieser Funktion als Bildungsschiff, das mit Gruppen in die Watten und die umliegenden H\u00e4fen reist, finden wir die Jubilarin heute im Hafen von Wischhafen, den sie schon seit einigen Jahren als Basishafen und Winterliegeplatz benutzt. Das soll auch in Zukunft so bleiben und deshalb wurde ANNA-LISA, die fr\u00fcher zu Wischhafener Zeiten MATHILDE hie\u00df, auf der j\u00e4hrlichen Hafenversammlung am 27.12.2005 in die ehrenwerte Hafeninteressentenschaft Wischhafen von 1839 aufgenommen. Am Nachmittag hat unser B\u00fcrgermeister Heinrich von Borstel feierlich den neuen Namen des Heimathafens am Heck enth\u00fcllt, und so schlie\u00dft sich nach hundert Jahren der Kreis, und ANNA-LISA, ist dahin zur\u00fcckgekehrt, wo einst ihre Karriere begann. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen ihr alles Gute und weiterhin gl\u00fcckhafte Fahrt und wenig Werftaufenthalte w\u00fcnschen. Die allseits gew\u00fcnschte Handbreit Wasser unter dem Kiel brauchen wir ihr nicht zu w\u00fcnschen, als Plattbodenschiff hat sie gar keinen Kiel und f\u00e4llt auch gern mal trocken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberblick Der Frachtensegler war f\u00fcr die flachen Gew\u00e4sser der Unterelbe und seiner Nebenfl\u00fcsse f\u00fcr einen Wischhafener Brennstoff- und Futtermittelh\u00e4ndler zum&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":1355,"parent":0,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1884","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1884","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1884"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1884\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2547,"href":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1884\/revisions\/2547"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1355"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}