{"id":1792,"date":"2018-10-29T13:08:10","date_gmt":"2018-10-29T12:08:10","guid":{"rendered":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/?p=1792"},"modified":"2019-10-27T15:12:10","modified_gmt":"2019-10-27T14:12:10","slug":"sonne-tanken-fuer-den-nahen-herbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/sonne-tanken-fuer-den-nahen-herbst\/","title":{"rendered":"Sonne tanken f\u00fcr den Herbst"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zugvogelfahrten 2018<\/h2>\n\n\n\n<p>BALJE. Jedes Jahr, wenn sich die Zugv\u00f6gel im Norden auf die Reise in den S\u00fcden machen, bietet der Verein \u201eBildungsschiff Niederelbe\u201c Tages- und \u00dcbernachtungstouren mit der \u201eAnna-Lisa\u201c an. Nicht nur f\u00fcr Landratten, wie TAGEBLATT-Redakteurin Susanne Helfferich, ein unkalkulierbares Abenteuer.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/toern-berichte-und-eindruecke-auf-see\/wildgans-2-2018\/\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/wildgans-2-2018-300x148.png\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Wo Oste in die Elbe \u00fcbergeht und die ersten Buhnen auftauchen, versammeln sich die Kormorane, spreizen ihr Gefieder in der Sonne. Wie auf einer Perlenkette haben sie sich auf dem Steindamm aufgereiht. \u201eWo die sind, gibt es viele Fische\u201c, erkl\u00e4rt Ralf Bruchmann. Wir sind auf der Elbe und es schaukelt ein bisschen. Mit sechs Knoten geht es Richtung Nordsee. Die G\u00e4nserufe werden leiser. Bald ist nichts weiter zu h\u00f6ren als das Schnurren des Motors und das Pl\u00e4tschern des Wassers. Diesig ist es hier auf der Elbe. Schemenhaft taucht Cuxhaven im Nichts auf; zumindest die riesige Werkhalle von Ambau, einem Windkraftanlagenbauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Anna-Lisa aufs Wasser zum G\u00e4nsegucken. Kurz vor 10 Uhr lag das Natureum noch im Morgendunst. Die Anna-Lisa mit gerefften Segeln am Anleger. 16 in der Mehrzahl wenig segelerfahrene Landratten sind gekommen, um vor dem Oste-Riff und von der Elbe aus V\u00f6gel zu gucken. Mit einem Rucksack voller Wechselzeug und Regenklamotten sowie einem Schlafsack geht\u2019s an Bord; vom Festland auf unbekanntes Terrain. Ich war noch nie auf einem Segelschiff.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Anna-Lisa bietet Platz f\u00fcr 16 Passagiere<\/h2>\n\n\n\n<p>Stefan Tyedmers, der Vereinsvorsitzende, stellt das Schiff vor. Bis zu 16 \u201eMann\u201c kann das 112 Jahre alte Segelschiff Anna-Lisa zus\u00e4tzlich zur Mannschaft mitnehmen. Der Besan-Ewer, der nur einen Tiefgang von 1,50 Meter hat, ist ideal f\u00fcr Exkursionen in flachem Gew\u00e4sser.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/toern-berichte-und-eindruecke-auf-see\/wildgans-2018\/\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/wildgans-2018-300x198.png\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher war er als Handelsschiff unterwegs und konnte als Flachbodenschiff leichter anlanden. Im etwa 20 Meter langen Schiffsbauch der Anna-Lisa sind Messe, K\u00fcche, vier Kaj\u00fcten \u00e1 vier Kojen und zwei Toiletten untergebracht. Hinter dem Maschinenraum liegt die Schlafkammer der dreik\u00f6pfigen Mannschaft.<br \/>Marei, Birgit, Heidi und ich sind die Ersten an Bord und haben den ersten Zugriff. Wir nehmen die erste Kammer links. Eine weise Entscheidung, wie sich sp\u00e4t in der Nacht zeigen wird. Marei und ich liegen oben in den Etagenbetten. Beide sind wir aufgeregt. \u201eIch habe schon immer davon getr\u00e4umt mit so einem Segelschiff unterwegs zu sein\u201c, erz\u00e4hlt die Otterndorferin, die selbst zwei Jahre Besitzerin eines kleinen Segelbootes war. \u201eDas ist aber gar nicht zu vergleichen.\u201c<br \/>Ralf Bruchmann weist unten ein: Das Kollisionsschott, hinter dem eine der Schlafkammern liegt, muss bei Fahrt geschlossen sein, die Toiletten arbeiten mit Unterdruck, Ordnung halten, damit nichts durch die Gegend fliegt. Dann legt er eine Liste vor, in die sich alle eintragen m\u00fcssen. \u201eDie wird an Land gemailt. Falls wir abbuddeln, wissen die, nach wem sie suchen m\u00fcssen.\u201c Da ist er wieder, der Klo\u00df im Bauch &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald sich alle Reisende in den beengten Verh\u00e4ltnissen breitgemacht haben, geht es an Deck weiter. Stefan gibt der Crew die Sicherheitseinweisung. Der wichtigste Satz: \u201eEine Hand f\u00fcr Euch, eine Hand f\u00fcrs Schiff\u201c; soll hei\u00dfen: immer sch\u00f6n festhalten. Der zweite Ratschlag ist fast genauso wichtig: \u201eImmer sch\u00f6n den Kopf einziehen.\u201c Auf einem Segelschiff gibt es so einiges, woran sich der Kopf sto\u00dfen l\u00e4sst. Dann die Ern\u00fcchterung: Wir haben zwar wundersch\u00f6nen Sonnenschein, aber keinen Wind. Die Segel bleiben gerefft.<br \/>Schipper Michael Zabel sieht meine Druckarmb\u00e4nder gegen Seekrankheit unter den \u00c4rmeln hervorlugen und schmunzelt: \u201eDa ist nichts heute. Das ist ein Ententeich, allenfalls kommt mal eine Dampferwelle\u201c, beruhigt er mich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/toern-berichte-und-eindruecke-auf-see\/wildgans-3-2018\/\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/bildungsschiff.de\/anna-lisa\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/wildgans-3-2018-300x225.png\" alt=\"Foto Susanne Helfferich\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Er wirft den Motor an. Der Deutz Sechs-Zylinder-Vier-Takt-Motor hat 100 PS. Und w\u00e4hrend die Anna-Lisa Richtung M\u00fcndung tuckert, packen die ersten ihre Ferngl\u00e4ser und Fotoapparate aus. Endlich V\u00f6gel!<\/p>\n\n\n\n<p>Rechts und links tummeln sich die G\u00e4nse zu Hunderten. Grau- und Nonneng\u00e4nse sind es. Der L\u00e4rmpegel spricht daf\u00fcr, dass noch Tausende in den Wiesen hinter der Uferlinie rasten. Unsichtbar f\u00fcr uns. \u201eHier ist ja richtig Betrieb\u201c, sagt Ralf, \u201eso viele Graug\u00e4nse sieht man hier sonst nicht.\u201c Im vergangenen Jahr h\u00e4tten in der Ostem\u00fcndung gro\u00dfe Mengen von Brachv\u00f6geln gerastet. Davon sind heute nur wenige da. Daf\u00fcr Silberreiher, leicht zu erkennen am wei\u00dfen Gefieder. Nach einer halben Stunde auf der Oste taucht der erste Seehund neben uns auf. \u201eDie jagen bei Hochwasser und ruhen sich bei Niedrigwasser auf den Sandb\u00e4nken aus\u201c, erl\u00e4utert Ralf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sonne tanken f\u00fcr den nahen Herbst<\/h2>\n\n\n\n<p>Platt ist das Wasser, kein L\u00fcftchen regt sich. Hin und wieder taucht der Kopf eines Seehundes auf, die G\u00e4nse sind weit weg am Ufer. Schl\u00e4frigkeit macht sich breit. Schicht um Schicht pellen wir uns aus den Segelklamotten. Sonne tanken f\u00fcr den nahen Herbst.<br \/>&#8222;Ein Schweinswal\u201c, ruft Stefan. Pl\u00f6tzlich sind alle wieder wach, z\u00fccken ihre Kamera. Ich hab ihn verpasst. Es bleibt die einzige Aufregung des Nachmittags. Nach einer Stippvisite auf der Nordsee \u2013 oder war es vielleicht doch noch die Elbe? \u2013 wendet Michael. Er ist auch im Hauptberuf Schipper, f\u00e4hrt t\u00e4glich mit einem Versorgungsschiff von Cuxhaven nach Neuwerk. Er steuert die ANNA-LISA durch die Medemrinne auf H\u00f6he des Altenbrucher Bogens. Ralf zeigt auf einer Seekarte, wo wir entlang schippern, zwischen Medemgrund und Neufelder Watt. Stefan \u2013 von Haus aus Biologe und angestellt beim NLWKN (Nieders\u00e4chsischer Landesbetrieb f\u00fcr Wasserwirtschaft, K\u00fcsten- und Naturschutz) \u2013 erz\u00e4hlt, dass die Medemrinne im Zuge der Elbvertiefung mit dem Aushub zugesch\u00fcttet werden soll. \u201eDas wird Auswirkungen auf die Flie\u00dfgeschwindigkeit und auf die Deiche haben\u201c, sagt er. Aber auch die Seeschwalben w\u00fcrden leiden. Sie leben dort auf der Dithmarscher Seite der Elbe, mit dem Watt und vielen kleinen Prielen. Wenn die Priele versanden, verschwinden auch die Seeschwalben.<br \/>Mit ablaufend Wasser erreichen wir wieder die Oste-M\u00fcndung. Mit lautem Geschnatter begr\u00fc\u00dfen uns die G\u00e4nse am Ufer, links sonnen sich drei Seehunde auf einer Sandbank. Ferngl\u00e4ser und Kameras werden gez\u00fcckt. Stefan macht den Anker klar. Kaum mehr als anderthalb Meter ist hier das Wasser tief. Da es in der Nacht wieder ansteigen wird, gibt er ordentlich Kette dazu; gut 20 Meter.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Abendprogramm beginnt: Suppe kochen f\u00fcr 19 Mann in einer Mini-K\u00fcche, Abwasch per Hand und Klampfen in der Messe. Die Hartgesottenen verbringen die halbe Nacht an Deck unter einem gigantischen Sternenhimmel. Ich schl\u00fcpfe in meine Koje. Schlie\u00dflich will ich im Morgengrauen G\u00e4nse gucken.<\/p>\n\n\n\n<p>Um 2 Uhr ist es vorbei mit dem Ententeich. Wir haben Hochwasser. Und nicht nur das. Es schaukelt und rumpelt. Ich bin hellwach und taste nach den Druckarmb\u00e4ndern. Nur nicht aufrichten, dann wird\u2019s erst recht \u00fcbel. Am Bug des Schiffes poltert die Ankerkette. Ein Gl\u00fcck, dass wir dort nicht schlafen. \u00dcberall knarrt es. \u201eK\u00fcmmert sich jemand?\u201c, fragt Heidi. Schritte sind zu h\u00f6ren. Nur nicht aufstehen. Gegen 4 Uhr ist auch das \u00fcberstanden.<br \/>Kaum eingeschlafen, kommt wieder Bewegung in unsere Kaj\u00fcte. Birgit und Marei krabbeln aus den Schlafs\u00e4cken. Der Morgen graut und die Wildg\u00e4nse rufen. Von der W\u00e4rme des Vortages ist an Deck nichts mehr zu sp\u00fcren. Dick eingemummelt in Winterjacken lauschen wir dem Spektakel in den Uferwiesen, die Kamera griffbereit, warten auf den ultimativen Moment: auf den Aufstieg eines G\u00e4nseschwarms vor der aufgehenden Sonne. \u00dcberall steigen die Biester auf, nur nicht da, wo wir sie haben wollen; und vor allem viel zu weit weg, um sie zu fotografieren. \u201eEs riecht nach Kaffee\u201c, meint schlie\u00dflich Birgit und wir steigen zum Fr\u00fchst\u00fcck in den Schiffsbauch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tausende G\u00e4nse steigen \u00fcber Belum auf<\/h2>\n\n\n\n<p>Um 11 Uhr wirft Michael wieder den Motor an: \u201eIch w\u00e4re soweit.\u201c Vorsichtig steuert er die ANNA-LISA aus dem Oste-Riff. Tausende G\u00e4nse steigen \u00fcber Belum auf. Lange, d\u00fcnne, nicht enden wollende F\u00e4den, schweben schnatternd durch die Luft \u2013 unerreichbar f\u00fcr den Fokus meiner Kamera. Am Osteufer in weiter Ferne lassen sich die gro\u00dfen V\u00f6gel nieder. Ein Seehund h\u00e4lt auf einer im auflaufenden Wasser schwindenden Sandbank den Bauch in die Sonne. Kaum kitzelt das Wasser seinen Pelz, robbt er einen Meter weiter. Ein dutzendmal wiederholt sich das Spiel, bis der Grund verschwunden ist und die Robbe abtaucht.<br \/>Natureum in Sicht. Die ANNA-LISA f\u00e4hrt in die Oste. Letzte Chance f\u00fcr ein G\u00e4nsefoto. Und da ist er, der ultimative Moment: Die G\u00e4nse, die vor einer halben Stunde dort gelandet sind, erheben sich mit lautem Rufen. Jetzt der Schnappschuss. Zu dumm, der Akku ist leer. Und schon ist der Moment vorbei.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p> Anmerkung der Crew: <\/p><p>Vielen Dank, Susanne, f\u00fcr diesen sehr anschaulichen Bericht. Wir haben uns sehr \u00fcber die Ver\u00f6ffentlichung gefreut.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugvogelfahrten 2018 BALJE. 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